Editorial
Sehr geehrte Aktionärin
Sehr geehrter Aktionär

Wie erwartet hat sich die Krise im Jahr 2009 in vielen Wirtschaftsregionen weiter verschärft. Immerhin konnte die Entwicklung dank gewaltigem Mitteleinsatz zu Lasten der Staatsbudgets stabilisiert werden, und die Zentralbanken revitalisierten die Finanzmärkte durch grosszügige Liquiditätsspritzen. In der zweiten Jahreshälfte zeichnete sich für verschiedene Branchen eine allmähliche Erholung ab, während gewisse Investitionsgüter in den Sog der Krise kamen oder erst kommen. In der Schweiz half ein stabiler Konsum, den Wirtschaftsabschwung in Grenzen zu halten.

Trotz diversifiziertem Portfolio konnte sich die Orell Füssli Gruppe den wirtschaftlichen Turbulenzen nicht entziehen. Atlantic Zeiser litt massiv unter dem Auftragseinbruch von Ende 2008, der bis Mitte des Jahres 2009 anhielt. Erst in der zweiten Jahreshälfte wurde eine stärkere Nachfrage spürbar, insbesondere auch nach margenstarken Produkten. Rigorose Kostensenkungsprogramme trugen wesentlich dazu bei, dass Atlantic Zeiser trotz deutlich tieferem Umsatz im zweiten Semester wieder ein positives Betriebsergebnis erzielte. Über das gesamte Jahr war das Betriebsergebnis jedoch deutlich negativ. Auch der Buchhandel blickt auf ein durchzogenes Jahr zurück. Erfreuliche Ertragsfortschritte, die aus intensiver Kostenbewirtschaftung resultierten, wurden durch eine schwache Nachfrage und unerwartet hohe Anlaufverluste bei neuen Filialen neutralisiert. Dank einem Buchgewinn aus Liegenschaftsverkauf konnte der Ertrag im Buchhandelsgeschäft über Vorjahreshöhe gehalten werden. Orell Füssli Sicherheitsdruck konnte die geplante Produktion der neuen Schweizer Banknoten noch nicht starten: Technische Probleme bei Lieferanten, die für die Entwicklung neuer Sicherheitselemente zuständig sind, führten zu Verzögerungen. Dies hatte einen Umsatz- und Ertragsausfall zur Folge, den Orell Füssli Sicherheitsdruck trotz hoher Auslastung mit Drittaufträgen nicht kompensieren konnte. Wir gehen davon aus, dass sich diese Ausfälle zu einem späteren Zeitpunkt ausgleichen. Auch der Verlag litt unter der schlechten Konjunktur. Er wurde darüber hinaus durch Umstellungen bei der Auslieferungslogistik belastet. EBIT und Ergebnis der Orell Füssli Gruppe sind nicht mit dem Vorjahr vergleichbar, da diese Werte 2008 durch einen Gewinn aus dem Verkauf einer Beteiligung ausserordentlich hoch ausfielen. Aber auch um diesen Einfluss bereinigt ist das Resultat des Jahres 2009 unter unseren Erwartungen geblieben.

Für das Jahr 2010 rechnen wir mit besseren Rahmenbedingungen. Das Investitionsgütergeschäft und insbesondere auch die Nachfrage nach den Produkten von Atlantic Zeiser haben sich in der zweiten Jahreshälfte 2009 sichtbar verbessert. Die Bestellungen werden aber kaum schon 2010 das Niveau aus den Jahren vor der Krise erreichen. Im Sicherheitsdruck ist einerseits mit weiterem Marktwachstum zu rechnen, andererseits verschärft sich der Wettbewerb wegen neuer Konkurrenten, die teilweise ihren Markteinstand über den tiefen Preis erkaufen. Orell Füssli rechnet mit einer Verbesserung des Auftragsmixes, der diesen Trend mehr als kompensieren wird. Beim Buchhandel gehen wir von einer ungefähr gleich bleibenden Nachfrage aus. Wachstumschancen, aber auch Umsatzrisiken entstehen aus den raschen Veränderungen im Markt für Informationen und Unterhaltung, zu dem auch die Bücher gehören. Die Digitalisierung, begleitet vom technologiegetriebenen Übergang vom Papier zu elektronischen Plattformen, bringt neue Anwendungen und neue Konkurrenten. Dies stellt die druckorientierten Buchhändler und Verleger vor neue und interessante Herausforderungen.

Das Jahr 2009 mit seinen Turbulenzen zwingt auch Orell Füssli, die Wachstumsziele zu relativieren. Es wäre unrealistisch, den Umsatz- und Ertragseinbruch von 2009 als einmalig abzubuchen und mit Umsatzzielen fortzuplanen, die sich aus den Vorjahren extrapolieren lassen. Vielmehr gehen wir davon aus, dass die Weltwirtschaft Zeit braucht, um wieder an die hohen Leistungszahlen der Jahre 2006 und 2007 heranzukommen. Unsere Budgets für 2010 basieren zwar auf vergleichsweise starkem Wachstum gegenüber dem Vorjahr, was aber in absoluten Zahlen nicht die Rückkehr zum Courant normal bedeutet. Wir wollen die Kosten trotz höheren Volumen tief halten, die Effizienz durch Prozessanpassungen sowie mit neuen Produkten und höheren Kundennutzen steigern. In allen drei Divisionen der Gruppe stehen innovative Marktleistungen bereit, um den bestehenden Kunden Mehrwert zu bieten und neue Kunden zu gewinnen. Angesichts der Schwierigkeiten, das geschäftliche Umfeld einzuschätzen, gilt es, die Kosten tief zu halten und gleichzeitig lieferfähig zu bleiben, wenn sich die Nachfrage rasch beleben sollte. Unsere Anstrengungen in den vergangenen Jahren haben jedoch dazu beigetragen, die individuelle und organisatorische Flexibilität zu fördern, damit wir solche Entwicklungen meistern können.

Die finanziellen Ziele der Gruppe bleiben unverändert: profitables Umsatzwachstum von durchschnittlich 10% pro Jahr und ein RONA von 15%. Dabei ist die Basis für dieses Wachstum neu festzulegen. Diese Zielsetzung schliesst Übernahmen mit ein, sei es auf Stufe der Gruppe oder der Divisionen. Angesichts der nach wie vor sehr soliden Bilanzstruktur und der verfügbaren Mittel prüfen wir laufend Akquisitionsmöglichkeiten. Die Zielobjekte sollen bei einem akzeptablen Kaufpreis und überblickbarem Risiko unser Portfolio sinnvoll ergänzen. Für das Geschäftsjahr 2009 wird im Einklang mit unserer Dividendenpolitik der Generalversammlung eine Dividende von CHF 2.50 vorgeschlagen.

Im Februar 2010 hat CEO Sönke Bandixen das Unternehmen verlassen. Sachliche Differenzen zu Führungs- und Strategiefragen haben zu dieser einvernehmlichen Trennung geführt. Der Verwaltungsrat (VR) dankt Sönke Bandixen für seinen Einsatz und seine Beiträge zur Entwicklung der Orell Füssli Gruppe während der letzten Jahre. Die Evaluierung eines neuen CEO der Gruppe ist angelaufen, in der Zwischenzeit führt der VR-Präsident die Gruppe interimistisch. Infolge Amtszeitbeschränkung tritt Balthasar Meier aus dem VR zurück. Balthasar Meier hat während seiner Amtszeit die Arbeit des VR bereichert und insbesondere seine grosse Erfahrung in Finanzfragen und im Detailhandel eingebracht. Wir danken Balthasar Meier für seine stets konstruktive Zusammenarbeit im VR.

Wir danken an dieser Stelle auch unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihren grossen Einsatz. Das anspruchsvolle Umfeld hat, auch wenn dies nicht im Resultat sichtbar wird, ausserordentliche Anstrengungen verlangt. Unseren Kunden und Aktionären danken wir für das Vertrauen, das sie unserem Unternehmen und seinen Organen immer wieder entgegenbringen.

Zürich, 8. April 2010

Dr. Klaus Oesch
Präsident des Verwaltungsrats